Arno Geiger:Unter der Drachenwand

Unter der Drachenwand
Unter der Drachenwand
Datum:
Veröffentlicht: 23.3.21
Von:
Anneliese Gebhard

2018, Carl Hanser Verlag

Veit Kolbe, Wehrmachtssoldat aus Wien, wird 1944, gerade 24 Jahre alt, an der Ostfront durch einen Granatsplitter schwer verwundet. Er geht auf Genesungsurlaub nach Mondsee im Salzburger Land, wo er auf die "Reichsdeutsche" Margot, frisch verheiratet und Mutter eines Säuglings, trifft. Aus Veit und Margot wird ein Paar, was im Ort nicht gerade mit Wohlwollen betrachtet wird, sowohl von seiner linientreuen "Quartiersfrau", als auch von dem Dorfpolizisten, der Veits Onkel ist. Nur im Bruder seiner Vermieterin, dem "Brasilianer", findet er einen Freund, der jedoch in große Schwierigkeiten gerät, weil er seinem Ärger über das Regime öffentlich Luft macht. Unterdessen schreitet Veits Genesung soweit voran, dass er wieder fronttauglich wird. Auch wenn er alles versucht, seine Einberufung zu verhindern, erreicht ihn diese unausweichlich.

Der Wiener Schriftsteller Arno Geiger hat Briefe und Tagebücher aus dem Jahr 1944 zusammengetragen und bearbeitet, bzw. gänzlich erfunden. Hauptsächlich spricht der Tagebuchschreiber Veit Kolbe, unterbrochen von Briefen, geschrieben von Margots Mutter aus dem zerbombten Darmstadt oder dem 16-jährigen Rekruten Kurt aus Wien, der rührende Liebesbriefe an seine 13-jährige Cousine ins Kinderheim am Mondsee sendet. Darunter mischen sich die bestürzenden Briefe des jüdischen Zahntechnikers Oskar Meyer aus Wien. Sie alle sind von Krieg und Verfolgung schwer verwundete Seelen.

"Unter der Drachenwand" ist ein sehr mitreißender Roman, bei dem man sich als  Leser die Frage stellt, wie unsere Eltern und Großeltern das alles aushalten konnten, ohne seelisch zu zerbrechen.